Zweite gemeinsame Tagung der Prüfungskommissionen

15/09/2021

Online, 15. September 2021 – Die zweite gemeinsame Tagung der Prüfungskommissionen der CESNI-Mitgliedstaaten fand am 15. September 2021 statt. Zum ersten Mal nahmen neben Mitgliedern von Prüfungskommissionen, die unter der Verantwortung von Verwaltungsbehörden Prüfungen durchführen, auch Prüfer von zugelassenen Ausbildungsprogrammen teil. Die Tagung, die ursprünglich auf Einladung der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2020 in Berlin hätte stattfinden sollen, wurde aufgrund der aktuellen Gesundheitssituation als Online-Veranstaltung durchgeführt. 40 Sachverständige aus 11 CESNI-Mitgliedstaaten, drei Flusskommissionen (Zentralkommission für die Rheinschifffahrt, Donaukommission und Savekommission) und die Europäische Kommission beteiligten sich an diesem wichtigen Forum. Im Hinblick auf die künftige Anwendung der neuen Standards für Berufsbefähigungen ab Januar 2022 sollte die Tagung in erster Linie einen informativen und nützlichen Austausch über den Europäischen Standard für Qualifikationen in der Binnenschifffahrt (ES-QIN) und insbesondere dessen Standards für Prüfungen ermöglichen.
 

 
Die Begrüßung der Teilnehmer erfolgte durch den Generalsekretär der Zentralkommission, Bruno Georges, der betonte, dass die Harmonisierung der Prüfungen zu den Prioritäten der derzeitigen belgischen Präsidentschaft der ZKR im Zeitraum 2020-2021 – auch im Rahmen der neuen RheinSchPersV (Verordnung über das Schiffspersonal auf dem Rhein) – gehörte. Den Vorsitz führte Petra Nethövel, Sachverständige der deutschen Delegation und Vorsitzende der CESNI-Arbeitsgruppe für Berufsbefähigungen. Die Veranstaltung bot auch die Gelegenheit für eine Vorstellung des neuen europäischen Rechtsrahmens durch Christelle Rousseau (Europäische Kommission, GD MOVE). Sie informierte die Teilnehmer, dass die Ermittlung von Abschnitten mit besonderen Risiken und die Festlegung der entsprechenden Bewertung derzeit noch andaure.
 
Auf der Tagung diskutierten die Sachverständigen über die im ES-QIN enthaltenen Standards für Prüfungen sowie die Standardentwürfe für praktische Prüfungen auf Betriebsebene und für Musterprüfungen auf Betriebs- und Führungsebene. Es erfolgte ein intensiver Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmern, der auch durch mehrere Frage-Antwort-Runden ermöglicht wurde. Die Sammlung bewährter Verfahren ist in der Tat unabdingbar für eine gelungene Umsetzung der neuen Prüfungsvorschriften ab Januar 2022 und kann überdies eine Orientierung für die Kollegen in anderen Ländern bieten. Die Sachverständigen stellten zudem Überlegungen zur einheitlichen Auslegung und Anwendung der neuen Standards für Prüfungen an. Zu guter Letzt lernten sich die Prüfungskommissionen und Prüfer besser kennen und konnten hilfreiche Informationen austauschen, was zum Auf- bzw. Ausbau der unerlässlichen Zusammenarbeit zwischen sämtlichen Verantwortlichen für die Umsetzung der neuen im ES-QIN zusammengeführten Standards beitrug.
 
Die neuen CESNI-Standards, die vor allem von der EU, der ZKR, der International Sava River Basin Commission und Drittstaaten wie der Ukraine anzuwenden sind, werden erhebliche Auswirkungen auf den Inhalt der Ausbildungen und die Bewertung von Befähigungen (künftiger) Besatzungsmitglieder auf allen europäischen Wasserstraßen haben. Sie erfordern eine komplette Umgestaltung der theoretischen und praktischen Prüfungen sowie der diese Prüfungen betreffenden Verfahren. Die anstehenden Veränderungen sind für die Prüfungskommissionen, die für die Anerkennung von Ausbildungsprogrammen offiziell zuständigen Verantwortlichen und die Prüfer, die die neuen Befähigungsstandards und Prüfungsmethoden anzuwenden haben, bereits im Vorfeld mit Herausforderungen und einem großen Arbeitsaufwand verbunden. Es sei daran erinnert, dass der allgemeine Kontext ein hohes Maß an Harmonisierung bedingt, damit für all diejenigen, die Befähigungen erlangen möchten, gleiche Ausgangsbedingungen herrschen, die auf in allen CESNI-Mitgliedstaaten gültigen identischen Kompetenzstandards beruhen. Vor diesem Hintergrund spielen die Prüfungskommissionen und Prüfer in dieser neuen Ära der Berufsbefähigungen in der europäischen Binnenschifffahrt eine grundlegende Rolle bei der Gewährleistung einer einheitlichen Auslegung und Anwendung der verabschiedeten Standards.